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„Sie hat mich immer unterstützt“

Mütter und Großmütter geben ihren Sprösslingen das Rüstzeug fürs Leben mit – Zum Muttertag berichten drei Familien

Jeden Tag meistern Mütter viele Herausforderungen. Sie trösten, hören zu, geben Ratschläge, müssen auch mal schimpfen. Sie geben den Sprösslingen das Rüstzeug mit, um gut durch das Leben zu kommen. Aktuell übernehmen viele auch den Beruf des Hilfslehrers. Nicht immer ist es leicht, alles unter einen Hut zu bekommen. Zum Muttertag sprechen drei Großmütter und ihre Töchter über ihre Mutterrolle.

Melanie Peter (stehend) und Beate Ginder erinnern sich gerne an ihre Kindheit zurück. Die Eltern haben viel für die Kinder gemacht und dabei nicht autoritär gehandelt. Foto: S. Schneider-Seebeck

Melanie Peter (stehend) und Beate Ginder erinnern sich gerne an ihre Kindheit zurück. Die Eltern haben viel für die Kinder gemacht und dabei nicht autoritär gehandelt. Foto: S. Schneider-Seebeck

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR. Drei Generationen, zwischendurch sogar vier, wenn die Uroma vorbeischaut, sind im Garten versammelt. Melanie Peter ist die Mutter der beiden kleinen Mädchen im Kindergartenalter. Das erste Kind bekam sie mit 28 Jahren. „Die anderen werdenden Mütter in meinem Umkreis waren auch alle um die 30“, erinnert sie sich. Allerdings hat sie den Eindruck, dass der Trend mittlerweile wieder dahin geht, schon früher ein Kind zu bekommen. So wie damals bei ihrer Mutter Beate Ginder. Sie war 23 Jahre alt, als Melanie auf die Welt kam. „Ich wollte schon immer früh Mutter werden, weil meine eigene Mutter auch früh Mutter geworden ist“, verrät sie. Zuerst die Kinder und danach dann Zeit für sich haben. Und wie ihre eigene Mutter ist sie nun eine junge Oma, die viel mit den Enkelinnen unternimmt. Wie gut, dass die beiden sogar in der gleichen Straße wohnen und im Handumdrehen bei der Oma sein können. Und die freut sich, dass sie ihre Älteste unterstützen kann. „Heutzutage gibt es dafür viel mehr Möglichkeiten“, schwärmt Ginder. Das war vor 25 Jahren anders, da ging man nur spazieren.

Geschadet hat es aber offenbar nicht, denn Tochter Melanie erinnert sich an eine schöne Kindheit mit Eltern und Schwester: „Unsere Eltern haben viel für uns Kinder gemacht und sie waren nicht autoritär. Da herrschte bei anderen Eltern ein ganz anderer Ton. Und auch im Jugendalter haben sie uns unterstützt und uns zum Beispiel dabei geholfen, die Geburtstagsfeiern auszurichten.“ Besonders schön fand sie es, dass ihre Mutter immer da war. „Man wusste, es ist immer jemand daheim.“ Dennoch möchte sie selbst früher in den Beruf zurückkehren, als ihre Mutter das gemacht hat. Sie arbeitet gern und freut sich darauf, wenn sie wieder einsteigen kann.

Als Ginder ihre Kinder bekommen hat, war es vollkommen klar, dass es mit dem Beruf erst einmal vorbei sein würde, ebenso wie bei den anderen Frauen im Bekanntenkreis. „Es ist toll für junge Mütter heute, dass sie flexibel sein können und es entsprechende Angebote zur Kinderbetreuung gibt“, lobt sie. Auch wenn sie es ein bisschen schade findet, dass junge Mütter heutzutage früher arbeiten gehen. Sie kann es aber gut nachvollziehen, denn sie sieht die vielen Verpflichtungen, die das auch notwendig machen. Vermisst hat sie als Mutter nichts: „Wenn die Kinder geschlafen haben und der Mann abends auch daheim war, dann hatte ich Zeit für mich.“ Auch heute noch unternimmt die Familie viel gemeinsam, mindestens einmal im Jahr gehen alle zusammen – das Ehepaar Ginder und die beiden Töchter mit Anhang – zusammen in den Urlaub.

„Es hat Spaß gemacht, Mutter zu sein, jetzt macht es Spaß, Oma zu sein“

Maren und Angelika Adelhelm wohnen nicht nur in der gleichen Straße, sondern sogar im gleichen Haus. Und das funktioniert bestens. Maren Adelhelm arbeitet als Kosmetikerin, ihr Freund ist als Handwerker viel außer Haus. Der zweieinhalbjährige Sohn besucht den Kindergarten, zumindest bis zur Schließung Mitte März. Auch das Kosmetikstudio, das Maren Adelhelm zusammen mit ihrer Kollegin führt, war nun wochenlang geschlossen. Nun steht der erste Arbeitstag an und glücklicherweise übernimmt Mutter Angelika gern die Betreuung ihres Enkels. „Mir hat es Spaß gemacht, Mutter zu sein. Und jetzt macht es Spaß, Oma zu sein,“ lacht sie. Zwei Kinder hat sie, neben der Tochter noch einen Sohn, der fünf Jahre jünger ist.

„Wir hatten den Luxus, dass ich zunächst daheimbleiben konnte“, erzählt sie. Als die Tochter dann etwa eineinhalb war, hat sie in Teilzeit gearbeitet, aber das war nur durch die Hilfe der Omas möglich gewesen. Bei Maren ist in Erinnerung geblieben, dass ihre Mama eigentlich immer da war, wenn sie aus dem Kindergarten oder der Schule kam. Sie haben zusammen viel unternommen, sie waren oft auf dem Spielplatz, im Schwimmbad oder im Freibad und sind zusammen in den Urlaub gefahren. „Wir haben nichts vermisst“, findet sie.

Angelika Adelhelm stammt aus einer großen Familie, da war es vollkommen selbstverständlich, Spielzeug und Kleidung weiterzugeben. Das hat sie bei den eigenen Kindern auch so gehalten und vieles gebraucht gekauft. Tochter Maren spart lieber bei Käufen für sich: „Es macht auch Spaß, für sein Kind einzukaufen.“ Im Internet findet sie auch das eine oder andere hochwertige Schnäppchen. Dieser Online-Vergleich war in den 90ern noch nicht möglich. Zudem hat sie den Eindruck, dass Mütter untereinander vergleichen, was die Kinder so alles besitzen. Was heute noch anders ist zu früher? „Heute ist der Druck, arbeiten zu gehen, viel höher“, findet die junge Mutter. Sie hätte zwar nicht drei Jahre zu Hause bleiben wollen, aber sie kennt einige junge Frauen, die es sich finanziell nicht leisten konnten, länger daheim zu bleiben, obwohl sie es gern gemacht hätten. Selbst genießt sie es, mehrmals in der Woche unter die Leute zu kommen, und sieht den Beruf auch als gewissen Ausgleich zum häuslichen Leben, mal etwas anderes zu sehen, mit anderen Leuten zu sprechen. Doch ihr Sohn ist ihr sehr wichtig und wie ihre Mutter bei ihr möchte sie möglichst viel Zeit mit ihm verbringen und ihn unterstützen.

Maren Adelhelm ist ihrer Mutter sehr dankbar, dass sie in jeder Lage für sie selbst und ihren Bruder da war und ist. „Wir hatten ein liebevolles Zuhause.“

„Heute wird man als Vollzeitmutter nicht wertgeschätzt“

Auch Michaela Berroth hat die Zeit mit ihren Kindern sehr genossen. „Man bekommt so viel zurück von seinen Kindern. So ein kleines Wesen ist einfach völlig zufrieden“, lächelt sie. Der Beruf war ihr selbst nicht so wichtig und auch in der Umgebung gab es nicht so viele berufstätige Mütter. Doch sie hat den Wandel der Betreuungsangebote während der Kinder- und Jugendzeit ihrer drei Töchter miterlebt. „Als Maren in den Kindergarten kam, gab es noch keine verlängerten Öffnungszeiten und auch keine verlässliche Grundschule“, erinnert sie sich. Sie hatte das Glück, mit Mann und drei Töchtern bei ihren Eltern wohnen zu können, die sie unterstützt haben. Bei der jüngsten Tochter, die sechs Jahre später geboren wurde, hatte sich das Betreuungsangebot bereits erweitert. Michaela Berroth bedauert, dass man heutzutage als Vollzeitmutter nicht wertgeschätzt wird: „Man wird fast schon schief angeschaut, wenn man daheimbleibt. Jüngere Mütter fürchten, dass sie nicht anerkannt werden, wenn sie nicht beides schaffen – Beruf und Mutter.“

Sie selbst stammt aus einer Großfamilie und spricht mit großer Dankbarkeit von der eigenen Mutter, die immer für die Kinder da war. Was ihr aber gut gefällt – dass Männer mittlerweile viel mehr bei der Familie mitmachen. „Die Familie hat sich gewandelt.“ Ihre Älteste Maren Wilhelm hat ihr kleines Mädchen mit 21 Jahren bekommen und ist sehr gern Mutter. Allerdings fühlt sie sich durch die große Auswahl an Möglichkeiten verunsichert. Unzählige Erziehungsratgeber geben Tipps, und jeder hat einen anderen Ansatz. „Früher war das rigoroser, es gab klare Ansagen, an denen man sich orientieren konnte“, sagt sie. „Heute sagt jeder etwas anderes. Und es ist viel schwieriger, eine Hebamme zu finden.“ Allerdings helfen die Neuen Medien auch. „Wenn ich eine Frage habe, kann ich meiner Hebamme schnell eine WhatsApp schicken.“ Auch die verschiedenen Online-Kleidermärkte nutzt sie rege.

Und was ist sonst noch anders? Maren Wilhelm glaubt, dass auf Mütter und Kinder mehr Druck ausgeübt wird. Etwa, dass man möglichst bald wieder arbeiten gehen muss. Oder die zahlreichen Angebote, damit das Kind optimal gefördert wird. Weicht etwas in der Entwicklung von der Norm ab, soll sogleich mit einem Therapieangebot gegengesteuert werden. Im Zweifelsfall verlässt sie sich da auf ihre Mutter. Dankbar ist sie ihr heute für die liebevolle Erziehung und dass sie von ihrer Mutter alles bekam, was sie gebraucht hat, „auch wenn das nicht unbedingt das war, was ich gewollt habe“. Sie lacht: „Früher habe ich gesagt: Ich werde später mein Kind ganz anders erziehen. Und nun mache ich es genauso.“

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Erstellt:
9. Mai 2020, 16:00 Uhr

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