Spaßmacher, Querdenker und Marxisten

Bundestagswahl 2021: Auch vier kleine Parteien schicken im Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd eigene Bewerber ins Rennen.

Gabriele Regele

Gabriele Regele

Von Kornelius Fritz

Backnang. 24 Parteien treten bei der Bundestagswahl am 26. September in Baden-Württemberg an, doch nur zehn von ihnen haben auch eine Kandidatin oder einen Kandidaten für das Direktmandat im Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd nominiert. Neben den sechs im Bundestag vertretenen Parteien, deren Bewerber wir in den vergangenen Wochen bereits ausführlich vorgestellt haben, sind dies die Freien Wähler, die PARTEI, die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) und die erst vor einem Jahr gegründete Basisdemokratische Partei Deutschland „die Basis“. Im Folgenden stellen wir die Direktkandidaten der kleinen Parteien kurz vor.

Bei den Freien Wählern besteht Verwechslungsgefahr, denn die Liste, die unter diesem Namen bei der Bundestagswahl antritt, hat nichts mit den gleichnamigen Wählervereinigungen zu tun, die in Baden-Württemberg in vielen Gemeinderäten und auch im Kreistag des Rems-Murr-Kreises vertreten sind. Vielmehr handelt es sich hier um die Partei des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger, die außer in Bayern auch in Rheinland-Pfalz im Landtag sitzt. Umfragen sehen die Freien Wähler bei der Bundestagswahl aber nur bei drei Prozent. Im Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd tritt Gabriele Regele aus Abtsgmünd für die Freien Wähler an. Die 52-Jährige ist Agrarbetriebswirtin und in der Tierzucht tätig. Vor allem der ländliche Raum liegt der Mutter von zwei Kindern am Herzen: „Landwirtschaft ist sehr wichtig, um die Eigenversorgung mit Lebensmitteln in Deutschland zu sichern“, erklärt sie. Außerdem fordert Regele mehr Generationsgerechtigkeit, Elternzeit auch zur Pflege der eigenen Eltern, Bürgerbeteiligung sowie Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Mit originellen Plakaten und schrägen Wahlkampfaktionen sorgt die Satirepartei die PARTEI immer wieder für Gesprächsstoff. Die politischen Aussagen der Parteimitglieder sind selten ernst gemeint. Das gilt auch für Michael Schoder, der für die PARTEI im Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd zur Bundestagswahl antritt. „Bezüglich meiner politischen Positionen befinde ich mich noch in einer innerparteilichen Findungsphase“, teilt der Kandidat auf Anfrage mit. Zu seinen „vagen Ideen“ gehörten unter anderem „Klimaschutz durch noch mehr Asphalt und SUVs, Artenschutz für die Grünen sowie eine Aufrüstung aller Schulcomputer auf Windows XP bis 2038“. Michael Schoder ist 48 Jahre alt, der studierte Historiker und Archäologe lebt in Schwäbisch Gmünd.

Wie bei der Bundestagswahl vor vier Jahren bewirbt sich Marianne Kolb aus Schwäbisch Gmünd für die MLPD um das Direktmandat. Sie ist 63 Jahre alt, hat drei erwachsene Kinder und zwei Enkelinnen. Die Bürokauffrau arbeitet in der Landesgeschäftsstelle der MLPD. „Der Kapitalismus kann die wesentlichen Menschheitsprobleme nicht lösen“, erklärt die Kandidatin. Deshalb stehe sie „für eine sozialistische Alternative“. Die MLPD bezeichnet sich als „Arbeiterpartei“ und fordert unter anderem eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Die Partei wird dem linksextremen Spektrum zugerechnet und vom Verfassungsschutz beobachtet. „Als revolutionär-marxistische Partei kämpft die MLPD für ,echten Sozialismus‘, was zum Beispiel aufgrund der damit verbundenen Einparteienherrschaft im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung steht“, teilt das Landesamt für Verfassungsschutz auf seiner Website mit.

Sein Ärger über die Coronamaßnahmen der Bundesregierung hat Stefan Schmidt aus Alfdorf zur Politik gebracht. Der 55-Jährige war bis vor Kurzem Inhaber des Seehof-Restaurants am Leinecksee, das er aber mittlerweile verkauft hat. Das Lokal hatte im vergangenen Jahr mehrfach für Schlagzeilen gesorgt, unter anderem weil der Wirt seine Gäste auf Schildern am Eingang darauf hingewiesen hatte, dass sie bei ihm keine Masken tragen müssen. Nachdem er bei der Landtagswahl im März noch für die Partei „Wir 2020“ angetreten war, kandidiert der Aktivist aus der Querdenker-Szene nun für die neue Partei „die Basis“. Sein Thema ist noch dasselbe: Schmidt, der sich als „Rebell vom Leinecksee“ bezeichnet, kämpft für die Abschaffung der Maskenpflicht und aller Coronaeinschränkungen. Im Juli hatte er auch bei der Oberbürgermeisterwahl in Aalen kandidiert, allerdings nur ein Prozent der Stimmen bekommen.

Stefan Schmidt

Stefan Schmidt

Marianne Kolb

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Michael Schoder

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Erstellt:
17. September 2021, 16:00 Uhr

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