Tote Schafe von Auenwald und Rudersberg könnten Opfer eines Wolfs sein

Innerhalb von vier Tagen werden in Unterbrüden und Rudersberg drei Schafe gerissen. Genetische Untersuchungen sollen Klarheit bringen.

In 50 Kilometer Entfernung ist ein Wolf bereits nachgewiesen worden. (Symbolfoto)

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In 50 Kilometer Entfernung ist ein Wolf bereits nachgewiesen worden. (Symbolfoto)

Von Matthias Nothstein

Auenwald/Rudersberg. Noch ist überhaupt nichts bewiesen, aber es könnte durchaus sein, dass ein Wolf im Rems-Murr-Kreis angekommen ist und erste Schafe gerissen hat. Deshalb zuerst einmal nur die Fakten: Am Donnerstag, 11. April, und am Freitag, 12. April, sind – jeweils in Rudersberg – zwei Schafe tot aufgefunden worden. Und am Sonntag, 14. April, musste ein Schäfer in Auenwald-Unterbrüden ebenfalls ein verendetes Schaf registrieren. Fakt ist zudem, dass Mitte Januar ein männlicher Wolf auf Gemarkung Essingen nachgewiesen wurde. Es handelt sich dabei um den Wolfsrüden GW3817m. Das Kürzel hat folgende Bedeutung: GW steht für Genetik Wolf, das m für männlich, die Ziffern dazwischen beziehen sich auf laborinterne Informationen.

Da Wölfe nach Expertenmeinung „sehr wanderfreudig“ sind, wäre es der Papierform nach ein Klacks für ein solches Tier, die Entfernung vom Remsursprung in Essingen bis nach Unterbrüden seit Januar zurückgelegt zu haben. Genaugenommen könnte Isegrim die 50-Kilometer-Distanz sogar locker in einer Nacht packen. Mehr noch: Es ist geradezu unwahrscheinlich, dass der Essinger Wolf nicht weitergezogen ist, da Wölfe ein sehr hohes Migrationspotenzial haben. Nicht selten legen allein ziehende Wölfe mehrere Hundert bis über Tausend Kilometer zurück, wenn sie das elterliche Territorium verlassen, um selbst nach geeignetem Lebensraum oder einem Partner Ausschau zu halten.

In Baden-Württemberg gibt es drei bestätigte Wolfsterritorien

Aufgrund dieser großen Mobilität richtet sich der Verdacht nicht allein gegen GW3817m. Denn der jüngste genetische Nachweis eines Wolfs in Baden-Württemberg datiert vom 28. Februar. Damals wurde bei Forbach im Schwarzwald ein Wolf registriert. Nachweise werden auch aufgelistet, wenn Fotos oder Filmaufnahmen vorliegen. Dies war im Zeitraum zwischen dem 3. März und dem 2. April in Baden-Württemberg sogar 16-mal der Fall. Allerdings können die Experten in diesen Fällen nicht sagen, ob es sich um ein bestimmtes, bereits bekanntes Tier handelt. In Baden-Württemberg sind derzeit drei Wolfsterritorien bestätigt, die alle im Schwarzwald liegen.

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Zurück in den Rems-Murr-Kreis: Die drei Schafe könnten Opfer eines Wolfs sein, es könnte aber auch ganz andere Erklärungen für die Todesfälle geben. Gesichert ist nur, dass die beiden Schafe in Rudersberg mit großer Wahrscheinlichkeit Opfer eines Raubtiers geworden sind. Rojda Firat von der Pressestelle des Landratsamts Rems-Murr bestätigte gestern auf Nachfrage, dass bei beiden Tieren an Rippen, Keulen und der Wirbelsäule Fraßspuren festgestellt worden sind. Zudem seien die Tiere am Waldrand aufgefunden worden.

Andere Todesursache kann nicht ausgeschlossen werden

Im Fall des toten Schafs aus Unterbrüden verhält es sich etwas anders. Firat bestätigte, dass das Tier sich im Zaun verfangen habe, eine „natürliche Todesursache“ beziehungsweise ein Tod ohne Fremdeinwirkung könne daher nicht ausgeschlossen werden. Alle Koppeln seien mit mobilen elektrischen Zäunen gesichert gewesen.

Wie geht es nun weiter? Von allen Kadavern wurden genetische Abstriche genommen. Diese Proben werden derzeit im Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik untersucht. Mit dieser Untersuchung kann eindeutig festgestellt werden, ob ein Wolf hinter den Todesfällen steckt. Mit dem Ergebnis rechnet das Landratsamt frühesten Ende dieser Woche, wahrscheinlich aber liegt das Ergebnis erst nächste Woche vor.

Kontakt/Info Wer einen Wolf sichtet, kann dies dem Wildtierbeauftragten des Rems-Murr-Kreises, Dominic Hafner, melden. Er ist unter Telefon 0176/15011803 oder E-Mail an d.hafner@rems-murr-kreis.de erreichbar. Einen Rissverdacht melden oder andere Hinweise auf einen Wolf geben kann man auch auf der Seite der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, www.fva-bw.de.

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Erstellt:
17. April 2024, 06:00 Uhr

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