Backnang bekommt eine Kulturtreppe

Zwischen der Albertstraße und dem Backnanger Bürgerhaus soll vorübergehend eine Gerüsttreppe aufgestellt werden, die es Fußgängern ermöglicht, schneller von der Innenstadt zum Bahnhof zu gelangen. Die Stadt plant, die Treppe auch kulturell und gastronomisch zu bespielen.

Kulturamtsleiter Johannes Ellrott (links) und Stadtplanungsamtsleiter Tobias Großmann an der zukünftigen Kulturtreppe zwischen Albertstraße und Bahnhofstraße. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Kulturamtsleiter Johannes Ellrott (links) und Stadtplanungsamtsleiter Tobias Großmann an der zukünftigen Kulturtreppe zwischen Albertstraße und Bahnhofstraße. Foto: Alexander Becher

Von Melanie Maier

Backnang. Ein weiterer Kulturort für Backnang soll kommen: eine Kulturtreppe, die die Innenstadt mit dem Backnanger Bürgerhaus verbindet. Wann genau die Treppe fertiggestellt werden wird und wie die Bespielung konkret aussehen soll, das steht jedoch noch nicht fest. Sport- und Kulturamtsleiter Johannes Ellrott möchte das Thema deshalb eigentlich noch gar nicht an die große Glocke hängen. „Viel zu berichten gibt es auch noch nicht“, sagt er.

Doch die Planungen und Vorbereitungen laufen schon. Im späteren Frühjahr soll es einen offiziellen Presserundgang geben, wenn mehr Details feststehen. Tatsächlich sei die Kulturtreppe ein lange geplantes Projekt des Stadtplanungsamts, berichtet Johannes Ellrott. Dieses Jahr soll es endlich umgesetzt werden. Tobias Großmann, der das Stadtplanungsamt leitet, konkretisiert: „Mittel- und langfristig ist es das städtebauliche Ziel der Stadt Backnang, eine durchgehende und attraktive fußläufige Verbindung vom Obstmarkt an den Bahnhof herzustellen.“ Mit der Kronenpassage zwischen Obstmarkt und Albertstraße sei dafür inzwischen ein wesentlicher Baustein fertiggestellt worden. Die Kulturtreppe soll ein weiterer Teil dieser Verbindung sein und von der Albertstraße bis zum Backnanger Bürgerhaus beziehungsweise zur Bahnhofstraße führen. Allerdings ist die Treppe nicht als langfristige Installation gedacht: Sie soll nur vorübergehend, bis zur Herstellung einer endgültigen baulichen Lösung zwischen dem Bildungshaus und der Paulinenpflege, aufgestellt werden.

Eine „städtebauliche Intervention“ nennt Tobias Großmann das. „Im Kern handelt es sich dabei um eine gestaltete Gerüsttreppe, die, um ein Podest ergänzt, auch den Platz neben dem ehemaligen Postgebäude, zwischen Paulinenpflege und Volkshochschule, bespiel- und nutzbar macht“, führt der Stadtplaner aus. „Beide Elemente bieten jeweils eine neue Fläche, die sowohl gastronomisch als auch kulturell temporär bespielt werden kann.“

Das Kulturamt hat schon einige Ideen für die Nutzung der Treppe

Als Budget für das Projekt sind im Backnanger Haushalt 2024 schon 120.000 Euro eingestellt. Darüber hinaus befindet sich die Stadt bereits in Gesprächen mit privaten Akteuren, um zusätzliche Sponsorenbeiträge zu akquirieren – schließlich geht es um die Belebung der Innenstadt.

„Das Kultur- und Sportamt wird das Projekt mit einer kulturellen Komponente begleiten“, kündigt Amtsleiter Johannes Ellrott an. Einige konkrete Ideen dazu gibt es schon. Zum Beispiel soll eines der acht Konzerte der Straßenmusiktage auf der Kulturtreppe erfolgen (wir berichteten) – vorausgesetzt, die Treppe ist bis dahin fertiggestellt. Die Straßenmusiktage finden voraussichtlich vom 18. Juli bis 5. September donnerstags an verschiedenen Orten in der Backnanger Innenstadt statt.

Was Ellrott und seinem Team für die Treppe und das Podest zwischen dem VHS-Gebäude und der Paulinenpflege vorschwebt, ist eine Art offenes Atelier mit Kunstausstellungen, Aufführungen und Performances. „Das wird ein tolles Projekt und ich freu’ mich auch schon drauf“, sagt er. Mit einigen Kulturschaffenden haben schon erste Gespräche stattgefunden, darunter mit dem Verein Kulturgut Hagenbach, dem Heimat- und Kunstverein Backnang und der Backnanger Künstlergruppe. Sie alle können sich vorstellen, sich an dem neuen Kulturprojekt zu beteiligen.

So sieht die Visualisierung des Durchgangs mit Podest an der Freifläche zwischen VHS-Gebäude (rechts) und der Paulinenpflege im alten Postgebäude aus. Visualisierung: Stammler Architekten

So sieht die Visualisierung des Durchgangs mit Podest an der Freifläche zwischen VHS-Gebäude (rechts) und der Paulinenpflege im alten Postgebäude aus. Visualisierung: Stammler Architekten

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Wie genau die Treppe genutzt werden kann, das hänge auch davon ab, wie sie am Ende aussehen wird. „Noch wissen wir nicht, wie genau die Stufenabsätze sind, wo man etwas hinhängen kann. Vieles ist noch unklar“, so Johannes Ellrott. Das und mehr müsse erst geklärt werden, bevor es an die konkretere Planung gehe.

In der vergangenen Woche jedenfalls ist für das Projekt bereits im Ausschuss für Technik und Umwelt ein Sammelbaubeschluss gefasst werden, der gestern Abend im Gemeinderat bestätigt werden sollte. „Danach möchten wir möglichst schnell Angebote von den Baufirmen einholen“, kündigt Tobias Großmann gestern Nachmittag noch vor der Sitzung an.

Denn von der Verfügbarkeit der Firmen und ihrer Mitarbeiter hänge der Zeitpunkt der Umsetzung des Projekts maßgeblich ab, verdeutlicht Johannes Ellrott. „Das ist die größte Herausforderung. Es kann natürlich sein, dass alles total schnell geht und die Treppe im Juni steht. Aber das wissen wir gerade einfach nicht.“ Stadtplaner Tobias Großmann sagt: „Wir hätten gerne eine funktionsfähige Treppe im Frühsommer.“ Auf einen Monat möchte aber auch er sich noch nicht festlegen.

Es scheint jedoch nicht zu optimistisch, sich schon ein wenig zu freuen – auf ein spannendes neues Kulturprojekt mitten in Backnang, das den Sommer interessanter gestalten dürfte. Obschon die Treppe nur als Interimslösung geplant ist, stellt sie doch eine Chance für die Stadt dar, ihren Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Kulturschaffenden einen Mehrwert zu bieten.

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Erstellt:
22. März 2024, 06:00 Uhr

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