Ein letztes Mal Gruschtelkammer

Für die große Abschiedsgala der Gruschtelkammer hat Initiator Charley Graf ein erstklassiges Bühnenprogramm auf die Beine gestellt. Die rund 750 Zuschauer durften am Samstagabend in der Auenwaldhalle in Unterbrüden vier Stunden lang gemeinsam schunkeln und lachen.

Pe Werner hat die Ehre, als letzte Künstlerin für die Gruschtelkammer aufzutreten, vor 33 Jahren war sie die Erste. Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Pe Werner hat die Ehre, als letzte Künstlerin für die Gruschtelkammer aufzutreten, vor 33 Jahren war sie die Erste. Fotos: Alexander Becher

Von Anja La Roche

Auenwald. Für alle 750 Zuschauer und Zuschauerinnen war wohl klar, dass ein langer Abend bevorsteht, als der erste Künstler die Bühne betritt. Ein Abend, von welchem aber jede Sekunde genossen werden muss, ist er doch der allerletzte, den die Gruschtelkammer veranstalten wird – nach 33 Jahren löst sich die Kleinkunstbühne auf. Doch Ernst Mantel, Schwabe durch und durch, wusste sogleich die traurige Abschiedsstimmung in humoristische Höhen zu entführen: „Ich beginne alle meine schwäbischen Programme mit einem chinesischen Sprichwort“, erklärt er mit ernster Miene und sogleich folgt auch schon der weise Rat, der da lautet: „Beginne stets mit einem chinesischen Sprichwort.“ Auf die erste Weisheit folgen viele weitere, verpackt in lustige Lieder, zu welchen er seine Gitarre zupft.

Im ersten Song huldigt er den Anfang, denn ohne den gäbe es ja nichts, aber auch der Mittelteil und der Schluss, die nicht ganz unwichtig seien, kommen nicht zu kurz. In der Rolle eines Ü-50-Schwaben, der im Zug mit seinem Freund Horscht telefoniert, treibt der komische Erzähler die schwäbischen Sch-Laute auf die Spitze. Vom Torschten, dem Vollpfoschten bis zum knuschprigen Knuschperbrot mit Peschto wird – lascht but not leascht – auch an schwäbischen Anglizismen nicht gespart.

Abschiedsgala der Gruschtelkammer

Am Samstagabend hat die Gruschtelkammer in Auenwald ein letztes Mal zum gemeinsamen Lachen, Staunen und Genießen eingeladen. Für den Abschied nach 33 Jahren Gruschtelkammer haben die Veranstalter gleich neun Künstler auf der Bühne performen lassen.

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Initiator und Chef der Kleinkunstbühne, Charley Graf, moderierte ein letztes Mal...
Initiator und Chef der Kleinkunstbühne, Charley Graf, moderierte ein letztes Mal durch den Abend bei der Gruschtelkammer.

© Alexander Becher

Rund 750 Zuschauer und Zuschauerinnen haben in der ausverkauften Auenwaldhalle i...
Rund 750 Zuschauer und Zuschauerinnen haben in der ausverkauften Auenwaldhalle in Unterbrüden Platz gefunden.

© Alexander Becher

Ernst Mantel eröffnete mit schwäbischem Humor und lustigen Songs den Bühnenmarat...
Ernst Mantel eröffnete mit schwäbischem Humor und lustigen Songs den Bühnenmarathon.

© Alexander Becher

© Alexander Becher

Michael Altinger brachte die Besucher mit seinen Pointen in  bayrischem Dialekt ...
Michael Altinger brachte die Besucher mit seinen Pointen in bayrischem Dialekt zum Lachen.

© Alexander Becher

© Alexander Becher

Das erste Mal bei der Gruschtelkammer aufgetreten ist die Backnanger Band "Three...
Das erste Mal bei der Gruschtelkammer aufgetreten ist die Backnanger Band "Three Kiwis – One Banana".

© Alexander Becher

Wolfgang Baues ist die Banane der Band  "Three Kiwis – One Banana".
Wolfgang Baues ist die Banane der Band "Three Kiwis – One Banana".

© Alexander Becher

Die drei Kiwis sind: Marina Heidrich ...
Die drei Kiwis sind: Marina Heidrich ...

© Alexander Becher

... Annegret Eppler ...
... Annegret Eppler ...

© Alexander Becher

... und Patricia Sozzi.
... und Patricia Sozzi.

© Alexander Becher

Viele weitere Künstler meldeten sich mit einem Abschiedsvideo in der Auenwaldhal...
Viele weitere Künstler meldeten sich mit einem Abschiedsvideo in der Auenwaldhalle zu Wort, um Charley Graf und dem Gruschtelkammerteam zu danken.

© Alexander Becher

Charely Graf und seine Frau Petra Graf (links) übergeben den Künstlern nach ihre...
Charely Graf und seine Frau Petra Graf (links) übergeben den Künstlern nach ihrem Auftritt ein kleines Präsent.

© Alexander Becher

Lizzy Aumeier ist extra aus der Reha "geflohen", um ein letztes Mal in der Grusc...
Lizzy Aumeier ist extra aus der Reha "geflohen", um ein letztes Mal in der Gruschtelkammer auftreten zu können.

© Alexander Becher

Kabarettistin Lizzy Aumeierperformt gemeinsam mit ihrem Ehemann Andreas Stock.
Kabarettistin Lizzy Aumeierperformt gemeinsam mit ihrem Ehemann Andreas Stock.

© Alexander Becher

Bernd Kohlhepp alias Frau Schwerdtfeger.
Bernd Kohlhepp alias Frau Schwerdtfeger.

© Alexander Becher

Eine Ode an den Thymiantee im Stil von ACDC.
Eine Ode an den Thymiantee im Stil von ACDC.

© Alexander Becher

Rolf Miller schlüpft in die Rolle eines selbstüberzeugten Schwabens.
Rolf Miller schlüpft in die Rolle eines selbstüberzeugten Schwabens.

© Alexander Becher

Monty Bürkle singt sich in die Herzen des Publikums, mit Jan Clever am Piano, an...
Monty Bürkle singt sich in die Herzen des Publikums, mit Jan Clever am Piano, an der Trompete und als Backgroundsänger.

© Alexander Becher

© Alexander Becher

Petra Graf versucht scherzhaft ihren Mann Charley daran zu hindern, zu auschweif...
Petra Graf versucht scherzhaft ihren Mann Charley daran zu hindern, zu auschweifende Reden zu halten.

© Alexander Becher

Monty Bürkle und Charley Grad: ein emotionaler Abschied.
Monty Bürkle und Charley Grad: ein emotionaler Abschied.

© Alexander Becher

Heinrich del Core in der Gruschtelkammer.
Heinrich del Core in der Gruschtelkammer.

© Alexander Becher

© Alexander Becher

Pe Werner ist der letzte Showact der Abschiedsgala - und war vor 33 Jahren auch ...
Pe Werner ist der letzte Showact der Abschiedsgala - und war vor 33 Jahren auch die erste Künstlerin, die auf der Bühne der Gruschtelkammer stand.

© Alexander Becher

Pe Werner und Peter Grabinge am Piano und als Begleitung am Mikrofon.
Pe Werner und Peter Grabinge am Piano und als Begleitung am Mikrofon.

© Alexander Becher

© Alexander Becher

Ein Dankeschönpräsent an Pe Werner und Peter Grabinger.
Ein Dankeschönpräsent an Pe Werner und Peter Grabinger.

© Alexander Becher

© Alexander Becher

Zum Schluss sind alle Künstler noch einmal auf die Bühne, und die Veranstalter P...
Zum Schluss sind alle Künstler noch einmal auf die Bühne, und die Veranstalter Petra und Charley Graf haben sich bedankt für die vielen tollen gemeinsamen Jahre.

© Alexander Becher

© Alexander Becher

Am Ausgang haben sich Petra und Charley Graf persönlich vom Publikum verabschied...
Am Ausgang haben sich Petra und Charley Graf persönlich vom Publikum verabschiedet.

© Alexander Becher

Mit viel Schwung heizt der bayerische Comedian und Autor Michael Altinger die Stimmung weiter an, und kann die positive Energie der Zuschauer auch erklären: Im Saal herrsche nun ein Gruppengefühl, das einen gleich viel besser fühlen lasse als die anderen da draußen, die alle bloß lauter Deppen seien. Im Stakkato haut Altinger eine Pointe nach der anderen raus und thematisiert die Sonderheiten der modernen Welt, in welcher man mit „LSD-Beleuchtung“ und verglasten Klotüren in Hotelzimmern zurecht kommen muss.

Zum ersten und leider auch letzten Mal in der Gruschtelkammer auftreten darf die Backnanger Band Three Kiwis – One Banana. Inspiriert vom Stil der 1920er-Jahre covert sie auf hinreißende Weise die Songs „Vom selben Stern“, „Bei mir bist du schön“ und „The Lion Sleeps Tonight“. Dabei gelingt es Sängerin Marina Heidrich sogar, Landrat Richard Sigel und Politiker Wilfried Klenk zum Mitsingen zu animieren.

Extra aus der Reha entflohen ist die preisgekrönte Kabarettistin Lizzy Aumeier, um trotz Krankheit bei „diesem Trauerspiel“ dabei sein zu können, wie sie erklärt. Mit ihrer ruhigen Stimme und dem trockenen Humor hat sie das Publikum schnell in den Bann gezogen. Sie berichtet von einer Polizeikontrolle, bei der es ihr und ihrem Mann mehr oder weniger absichtlich gelang, die Beamten aufs Korn zu nehmen und zugleich wunderbare Ausreden für ihren alkoholisierten Zustand aus dem Ärmel zu schütteln. Die Kabarettistin offenbart den Vorteil des Alters – man wird nicht mehr entführt – und holt ihren Mann Andreas Stock auf die Bühne, damit der wenigstens einmal sein Gesangstalent präsentieren kann. Zugleich liebäugelt sie schamlos offensiv mit dem Auenwalder Bürgermeister Kai-Uwe Ernst, der im Publikum sitzt.

Kabarettistin Lizzy Aumeier liebäugelt mit Bürgermeister Kai-Uwe Ernst.

© Alexander Becher

Kabarettistin Lizzy Aumeier liebäugelt mit Bürgermeister Kai-Uwe Ernst.

Mit Einkaufstrolley, Hut, und Mantel ausgerüstet erscheint Bernd Kohlhepp in der Rolle von Frau Schwerdtfinger auf der Bühne – eine ältere Dame, die schon reichlich senil, aber deshalb nicht weniger von ihrer Genialität überzeugt ist. „Du musch immer wisse, wie heischt du und wo kommscht du her“, wiederholt die Dame gebetsmühlenartig mit kreischender Stimme. In ihrer Handtasche hat sie immer einen Ersatzschlüssel dabei (aber nicht ihren eigenen), und auch ihre Fußmatte darf nicht fehlen, damit sie ihre Haustür wiederfindet (dort, wo keine Fußmatte liegt). Der Auftritt gipfelt in einem Lied im AC/DC-Stil für ihren geliebten Thymiantee, bei dem Bernd Kohlhepp es schafft, als wahres Gesangstalent das Publikum zu begeistern.

Bernd Kohlhepp besingt in der Rolle einer senilen Dame ihren geliebten Thymiantee.

© Alexander Becher

Bernd Kohlhepp besingt in der Rolle einer senilen Dame ihren geliebten Thymiantee.

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Zurück in die Gemütlichkeit geht es mit Rolf Miller, der sich in Manier eines Schwaben im besten Alter präsentiert, welcher jegliche Motivation verloren hat, sympathisch wirken zu wollen. Warum die heutige Jugend so verweichlicht sei, fragt er und nennt das Lieblingsbuch seiner Kindheit: Struwwelpeter. „Heute sind die angemeldet zum Ballett, Geige, Ding. Und vor allem zum Heulsusenkurs, der geht bis 18.“

Der Sänger Monty Bürkle singt sich mit seiner warmen, kräftigen Stimme in die Herzen der Zuschauer, begleitet wird er von Jan Clever am Piano, der Trompete und als Backgroundsänger. Bei „What a wonderful World“ gerät das Publikum in Schunkellaune, und mit dem Titel „My Way“ singt Monty Bürkle eine emotionale Lobes- und Dankeshymne für Charley Graf, der danach sichtlich gerührt auf die Bühne kommt.

Die Zuschauer zum Schunkeln bringt der Sänger Monty Bürkle, dessen warme Stimme von dem Musiker Jan Cleven (rechts) begleitet wird.

© Alexander Becher

Die Zuschauer zum Schunkeln bringt der Sänger Monty Bürkle, dessen warme Stimme von dem Musiker Jan Cleven (rechts) begleitet wird.

Heinrich del Core, dessen Vater ein Italiener und Mutter „ein Rottweiler“ (aus Rottweil stammend) ist, beleuchtet die Eigenheiten der Sprache seines Vaters als neigschmeckter Italiener und erinnert sich zurück an die gute alte Zeit, als die Autos mit keinerlei Schnickschnack ausgestattet waren. Auch er zeigt sich überfordert mit den neuen Erfindungen der digitalen Welt und berichtet von einer traumatischen Erfahrung mit einer automatisierten Toilette im Hightech-Badezimmer eines Freunds.

Für einen runden Abschluss sorgt Sängerin Pe Werner, die vor 33 Jahren als erste Künstlerin für die Gruschtelkammer auf der Bühne stand und nun auch die Ehre hat, als ihre letzte Künstlerin zu performen. Mit launigen Songs wie „Vollmondgesicht“ und „Prima essen gehen“ singt sie auf erstklassigem Niveau, begleitet von Peter Grabinger am Flügel. Zum Schluss sorgt sie mit ihrem Durchbruchhit „Kribbeln im Bauch“ für eine sentimentale Abschiedsstimmung unter den Liebhabern der einmaligen Kleinkunstbühne – die Zuschauer werden diesen besonderen Abend gewiss nicht vergessen.

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Erstellt:
5. Februar 2024, 06:00 Uhr

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