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Perfekt sind andere

Längst nicht mehr nur für Einsteiger: Bis einschließlich diesen Sonntag empfiehlt sich die Messe Art Karlsruhe als Kunstbühne

Mehr als 200 Galerien, mehr als 50 000 Besucher und ein schon traditionell starkes Qualitätsgefälle: Die Kunstmesse Art Karlsruhe versteht sich auch in diesem Jahr als bewusst breites Tor zur Kunst. Trümpfe ziehen auch viele Stuttgarter Galerien.

Mehr als 200 Galerien, mehr als 50 000 Besucher und ein schon traditionell starkes Qualitätsgefälle: Die Kunstmesse Art Karlsruhe versteht sich auch in diesem Jahr als bewusst breites Tor zur Kunst. Das Publikum liebt diese Messe, liebt die Vielfalt der Art Karlsruhe, genießt das ­Gefühl, eine mutmaßlich oder real hermetische Welt überraschend offen erleben zu können. Die Künstlerinnen und Künstler sind hin- und hergerissen – die Aufsteiger fragen sich, ob sie in Karlsruhe noch gesehen werden dürfen, die Etablierten nehmen die Sache lockerer und lassen – wie bei der ­Vorbesichtigung der Maler Markus Lüpertz oder der Bildhauer Werner Pokorny – ­spüren, dass man eigentlich nur nach dem Rechten schaue.

Und die eigentlichen Akteure? Mehr als 200 Galerien präsentieren sich in den vier Hallen der Messe Karlsruhe – und wohl kaum nur, weil Fernsehfachmann Rudij Bergmann schon früh durch die Gänge streift, agiert manche und mancher, als gelte es, sich schärfstens vom Kunst-Glitzerbild nicht nur der Privatsender zu distanzieren.

Die Kunstmesse Art Karlsruhe ist auch in ihrer 16. Ausgabe zuvorderst eine Einladung, sich ohne Scheu durch künstlerische Äußerungsmöglichkeiten treiben zu lassen. Nichts ist hier peinlich – jedoch nur, weil es ­andererseits hohe Qualität gibt.

Diese Messe ist nicht zu verstehen ohne ihren Vordenker, Macher und „Kurator“,­­ ­ohne den Schloss-Mochental-Galeristen Ewald Karl Schrade. Seine ­Begeisterung für künstlerische Äußerungen an sich wie sein sehr klares Bekenntnis zu Qualitäten prägen die Art ­Karlsruhe; auch und gerade bei ihrer 16. ­Auflage. Perfekt sind andere – diese Botschaft trägt die Art Karlsruhe keineswegs kokett vor sich her. Sie ist ernst gemeint, umso mehr, als die Divers-Winde so kräftig durch die Gesellschaft wirbeln, dass ­Schlagerstar Helene ­Fischer mit „Regen­bogenfarben“ eine ­Hymne auf die Vielfalt platziert.

So können zuletzt alle entspannt durch die Hallen schlendern – und sich positiv überraschen lassen. Hinein also in die Halle 4 und die Titelbehauptung „Contemporary Art 21“. Vieles, viel zu vieles, sieht hier ­irgendwie aus wie . . . Doch halt! Da ist inmitten einer buch­stäblich bunten Kunstarena die eigentümlich grau-weiße Alltags-Wahrnehmungswelt von Leszek Skurski bei Von & Von (Nürnberg), und da ist ein Auftritt der ­Galerie Marko Schacher, wie man sich ihn doch auch konsequent in ihrem „Raum für Kunst“ im Galerienhaus Stuttgart wünschen würde. Schacher vertraut Claudia Thorbans auf und zwischen Acrylglas­scheiben entwickelten Naturhymnen im Ringen gegen Jim Avignons Erzählfreude – und gewinnt.

Ein Modell liefert die Messe selbst. ­Nirgends sonst wird das Thema Skulptur so intensiv gepflegt. Da mag es bei manchen der Skulpturenplätze Irrtümer geben – Pole wie die Vogelskulpturen des in Leipzig lebenden Schweizers Matthias Garff (Galerie Tobias Schrade) und die vor der Explosion stehenden Stahl-Zeugen von Erich Hauser (Galerie Schlichtenmaier) ­belegen noch einmal: Kunst-Freude und Kunst als Philosophie mit anderen Mitteln sind auf und mit der Art Karlsruhe zwei untrennbare Seiten einer 2019 wieder an Wert gewinnenden Messemedaille. Der Hans-Platschek-Preis für das durchaus sperrige Werk von Monica Bonvi­cini passt da bestens ins Bild.

Neue Lust an der Kunst mit Fotografie

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Erstellt:
22. Februar 2019, 03:04 Uhr

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