Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Von kleinen Berliner Bühnen zum Rekordhalter

Der Berliner Rapper Capital Bra veröffentlicht sein neues Album wegen eines Leaks schon zwei Wochen früher als geplant

Rap - Capital Bra veröffentlicht sein neues Album wegen eines Leaks schon zwei Wochen früher als geplant.

Von kleinen Berliner Bühnen zum Rekordhalter

Capital Bra, der Berliner Rapper mit russisch-ukrainischen Wurzeln, hört bürgerlich auf den Namen Vladislav Balovatsky und mag insbesondere unter etwas älteren Musikfreunden nicht jedermann ein Begriff sein. Er ist in Deutschland jedoch, gemessen an der Zahl seiner Nummer-eins-Hits, der derzeit erfolgreichste Künstler.

Der Markt für physische Tonträger wie CDs oder Schallplatten ist heutzutage jedoch nicht mit der Situation von früher zu vergleichen, als die kriselnde Branche noch deutlich mehr Alben verkaufte. Es stimmt also, dass der 24-jährige Capital Bra mit seiner Single „Cherry Lady“, der Coverversion eines Modern-Talking-Songs, in diesem Jahr seinen zwölften Nummer-eins-Hit in Deutschland landete und damit offiziell die Beatles hinter sich gelassen hat, die elfmal an der Chartspitze landeten. Wahr ist aber auch, dass heutzutage mehr oder weniger nur noch die Streamingzahlen einen Einfluss auf die Position eines Stücks in den Charts haben. Hier hat der Rapper Capital Bra mit seinem Song „Neymar“ von 2018 die Nase vorn, der bei Spotify allein in der Woche nach seiner Veröffentlichung 5,4 Millionen Mal angeklickt wurde.

Dennoch: Den Erfolg von Capital Bra allein mit den veränderten Hörgewohnheiten erklären zu wollen, greift zu kurz. Der Rapper, dessen Künstlername nicht etwa an das englische Kurzwort für Büstenhalter angelehnt ist, sondern der sich vom russischen Wort „Brat“ für Bruder und Kumpel ableitet, bietet zweifellos Kritikwürdiges. Etwa, dass er auf seinem neuen Album „CB6“ bereitwillig alle Klischees der Rap-Szene erfüllt: Frauen kommen in vielen Stücken lediglich als „Bitches“ vor, und der Sänger gibt mit seinem Reichtum an, wenn er etwa in „Rolex“ rappt: „Wir tragen Rolex Original.“ Mitunter grenzen seine Texte auch an Selbstparodie. „Und sie tanzt zum Beat, ba-ba-bam-bam / Und die Melodie ist, La la la la la la la“ heißt es in „Capital Bra je m’appelle“. Das erinnert textlich an den Weihnachtsohrwurm „Little Drummer Boy“ mit seinem „Pa rum pum pum pum“. Man hat – auch und gerade im Rap – schon Tiefgründigeres gehört. Dass Capital Bra die Veröffentlichung seines Albums, das eigentlich am 26. April erscheinen sollte, um zwei Wochen vorgezogen hat, nachdem das komplette Werk jetzt schon vorab illegal ins Netz gestellt wurde, lässt sich als Panikreaktion deuten. Dass er dies aber als Dienst an seinen Hörern verkauft, zeugt immerhin von Geschäftssinn.

Capital Bra ist Teil einer deutschsprachigen Straßenrap-Szene, die in den vergangenen Jahren zunehmend erfolgreich wurde und zu der Protagonisten wie Bushido oder Haftbefehl gehören. Geboren ist er in Sibirien, mit sieben Jahren kam er mit seinen Eltern nach Berlin, wo er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein soll. Innerhalb von fünf Jahren arbeitete sich Capital Bra mit Live-Battles nach oben, erspielte sich nach und nach ein immer größeres Publikum. „CB6“ ist bereits sein sechstes Album seit 2016.

Zum Artikel

Erstellt:
13. April 2019, 03:14 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen