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„Es geht um die richtige Schulart“

Die 44-jährige Simone Klitzing kehrt als neue Leiterin des Gymnasiums ans Weissacher Bildungszentrum zurück

Die neue Schulleiterin Simone Klitzing ist im Weissacher Tal keine Unbekannte: Schon einmal hat sie am Bildungszentrum gearbeitet. Als Referendarin und Junglehrerin hat sie dort Mathe und Physik gegeben. Jetzt ist sie an die Schule zurückgekehrt – in neuer Rolle, aber mit der gleichen Begeisterung für die Besonderheiten am Bize, unter dessen Dach drei Schularten daheim sind.

„Es war schön, mit Wohlwollen empfangen zu werden“: Simone Klitzing ist die neue Chefin am Weissacher Bize-Gymnasium. Foto: A. Mück

© Andreas Mück

„Es war schön, mit Wohlwollen empfangen zu werden“: Simone Klitzing ist die neue Chefin am Weissacher Bize-Gymnasium. Foto: A. Mück

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. „Ich habe das Bildungszentrum nicht gerne verlassen“, blickt die 44-Jährige auf ihren früheren Einsatz im Täle zurück: Ihr liege die Schule am Herzen. Das Gebäude sei sehr hell, freundlich und sauber, die Schule sei sehr gut ausgestattet, es sei zu spüren, dass der Schulträger – die vier Gemeinden im Bize-Zweckverband – großes Interesse an der Bildungsstätte hat. Zudem identifizierten sich Schüler und Lehrer mit ihrer Schule, was nicht zuletzt in den schulartübergreifenden Aktivitäten zum Ausdruck kommt. Sie sei daher froh, nach elf Jahren, in denen sie an anderen Orten Erfahrungen gesammelt hat, nach Weissach zurückzukommen.

Die gebürtige Cannstatterin ist mit ihren Eltern in jungen Jahren nach Backnang gekommen, hat ab der zweiten Klasse die Tausschule besucht und danach das Tausgymnasium und dort 1994 auch das Abitur gemacht. Schon damals faszinierte sie, wenn sie einen Blick darauf werfen durfte, die Stecktafel im Rektorat. Mit dem Reifezeugnis in der Tasche trat die Backnangerin, die ein Faible für Naturwissenschaften entwickelt hatte, an der Uni Konstanz ein Studium der Mathematik und Physik an. Vom ursprünglichen Ziel Diplom wechselte sie im dritten Semester auf Lehramt. Beim Abschluss 2001 hatte sie als wissenschaftliche Hilfskraft Angebote für eine akademische Karriere vorliegen. So hätte sie im Bereich Halbleiterphysik in Konstanz promovieren können. Aber ihr wurde auch immer stärker bewusst: „Ich wollte mit Menschen arbeiten.“ Und es zog sie in den Backnanger Raum zurück, wo die Familie lebte und wo sie sich auch wohlfühlte. Also trat sie ein Referendariat an. Im ersten Ausbildungsjahr wurde sie dem Saliergymnasium in Waiblingen zugeteilt, zum zweiten kam sie ans Bildungszentrum, das ihr eine Bekannte wärmstens empfohlen hatte. Als es dann darum ging, wo sie nach dem zweiten Staatsexamen eingesetzt werden würde, kam wieder nur das Bize infrage. Mit Unterstützung der damaligen Schulleiterin Monika Wagner-Hans nannte sie Weissach als einzige Präferenz – und bekam ihren Wunsch erfüllt. Fünf Jahre blieb sie noch am Bize, konnte Einblick in Themen der Schulorganisation nehmen und beim Austüfteln der Stunden- und Vertretungspläne helfen.

Als ein Kollege sie auf eine Ausschreibung des Marbacher Schillergymnasiums aufmerksam machte, wo es um eine Abteilungsleiterstelle für Stundenplangestaltung ging, hatte sie Zweifel, so jung eine Chance zu haben. Aber sie schickte die Bewerbung los, bekam die Stelle und arbeitete fortan an einer Schule mit 230 Kollegen. Dort sah sie, wie wichtig Kommunikation für Führungskräfte ist, wie wichtig es ist, Transparenz und Offenheit zu zeigen und die Kollegen mit ins Boot zu holen: „Das schafft Akzeptanz.“

2013 folgte die nächste Etappe: stellvertretende Schulleitung am deutlich kleineren Gymnasium in Beilstein. Es galt, neben der Verwaltungstätigkeit auch Brückenfunktion zu den Kollegen zu übernehmen. Als 2016 ein neuer Schulleiter antrat, eröffnete sich die Chance, in pädagogischen und rechtlichen Fragen mitzuwirken, Unterrichtsbesuche zu machen und beratend tätig zu werden. In dieser Zeit ist Klitzings Interesse, Schulleitungsaufgaben wahrzunehmen, weiter gestiegen. Sie wollte ihre Erfahrungen als Schulleiterin einsetzen. Es sollte aber nicht irgendeine Schule sein: Gezielt hat sie sich fürs Bize entschieden, als sie erfuhr, dass die Stelle an der Spitze des Gymnasiums mit seinen rund 400 Schülern und 50 Lehrern neu zu besetzen war.

„Es war schön, mit Wohlwollen empfangen zu werden“, sagt sie, nachdem ihre Bestellung kurz vor den Pfingstferien perfekt war und sie im Kollegium vorgestellt wurde. Dass am Bize drei Schularten vereint sind, empfindet sie als Gewinn: „Ich schätze die Möglichkeit, im Schulleitungsteam verankert zu sein.“

„Keine Konkurrenz zwischen den Schularten“

Eine Konkurrenzsituation zwischen den unterschiedlichen Schularten sieht Klitzing nicht: „Um Schülerzahlen zu kämpfen, finde ich komisch.“ Es gehe darum, was für das Kind die richtige Schule ist. Gleichzeitig verweist sie – mit Blick aufs G-8-Profil – auf wissenschaftliche Studien, wonach ein Kind sein Potenzial eher entwickeln könne, wenn die Ziele höher gehängt sind. Großer Vorteil am Bize sei, dass ein Schulartwechsel problemlos möglich sei, ohne sich von den alten Freunden verabschieden zu müssen.

Bringt die Studiendirektorin vielleicht auch zahlreiche neue Ideen mit? Schon jetzt glänze das Bize mit seinen Kostbarkeiten, sagt Simone Klitzing und zählt auf: das bilinguale Profil mit verstärktem Englischunterricht für alle, Hausaufgabenbetreuung, bewegte Schule mit Pausensport, offener Freizeitbereich, Bibliothek, Mensa, Beamer in fast allen Klassenzimmern, Fair-Trade-Schule und altersgerechte außerunterrichtliche Projekte in fast allen Klassenstufen, von Sporttagen bis zum Eine-Welt-Basar. Für die kommende Zeit sei Kommunikation die wichtigste Aufgabe: „Ich muss reden und auch gut zuhören, um herausfinden zu können, was das Bize neben den bereits vorhandenen Kostbarkeiten noch braucht.“ Und das müsse dann auch zum Weissacher Tal passen.

Die Einsetzungsfeier findet voraussichtlich am 19. September statt.

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Erstellt:
28. Juni 2019, 11:30 Uhr

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