Fusion der Aspacher Kirchengemeinden ist eine Chance

Anfang des Jahres haben sich die evangelischen Kirchengemeinden in Aspach zusammengeschlossen. Eine Entscheidung, die angesichts von weniger Gemeindemitgliedern und fehlenden Pfarrern fast unumgänglich ist. Doch neben Herausforderungen birgt das auch Chancen.

Julianakirche Großaspach. Foto: Florian Muhl

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Julianakirche Großaspach. Foto: Florian Muhl

Von Kristin Doberer

Aspach. Mit dem Ende des Jahres haben die evangelischen Kirchengemeinden in Großaspach und Kleinaspach, Rietenau und Allmersbach am Weinberg aufgehört zu existieren, zumindest auf dem Papier. Stattdessen gibt es seit dem 1. Januar die Kirchengemeinde Aspach, zu der sich die einzelnen Kirchengemeinden zusammengeschlossen haben. Wie auch in vielen anderen Kirchengemeinden versuchen die Aspacher, so auf die sich ändernden Strukturen in der Kirche zu reagieren: weniger Pfarrer und weniger Kirchgänger. Dass es dazu kommen wird, ist schon länger klar, spätestens durch die geplante Streichung von über sechs Pfarrstellen im Kirchenbezirk Backnang. Vor etwa eineinhalb Jahren machten sich die Gemeinden dann konkret auf den Weg zur Fusion.

Gemeindezentrum Allmersbach a. W. Foto: privat

Gemeindezentrum Allmersbach a. W. Foto: privat

Aber nicht nur die Pfarrstellen waren entscheidend, auch ein Blick auf Ökonomie und Ökologie war es. „Bisher hatten wir manchmal vier Gottesdienste an einem Sonntag, quasi nur einen Steinwurf voneinander entfernt“, sagt Pfarrer Martin Kaschler. Das bedeute nicht nur vier Predigten, sondern Mesner und Hausmeister, die im Einsatz sind. Dazu komme viermal das Heizen und Putzen der Gebäude. „Das ist ökonomisch gesehen schwer vertretbar“, sagt Kaschler. Vor allem, wenn zum Teil dann nur sehr wenige Menschen den Gottesdienst besuchen. Für die Zukunft gibt es bereits ein ausgeklügeltes System für die Gottesdienste, erklärt Pfarrer Philipp Scheld. Am ersten Sonntag im Monat gibt es einen zentralen Gottesdienst, entweder in Großaspach oder in Kleinaspach, weil in die Kirchen dort deutlich mehr Menschen passen. An zwei Sonntagen im Monat wolle man je zwei Gottesdienste anbieten, einen eher traditionellen, einen speziellen, zum Beispiel mit Gemeindefrühstück – diese werden zwischen den Kirchen rotieren. „Statt in vier Kirchen den gleichen Gottesdienst zu halten, können wir mit den verschiedenen Formen hoffentlich mehr Menschen erreichen“, sagt Scheld. Auch werde sich die Stimmung im Gottesdienst sicher zum Positiven verändern, wenn statt nur 20 Menschen dann über 100 teilnehmen, so die Hoffnung. Dafür müssen sich die Gemeindemitglieder natürlich zu der jeweiligen Kirche fahren. „Die Leute müssen bereit sein, zueinander zu gehen“, so Kaschler.

St.-Ulrich-Kirche Rietenau. Foto: Alex Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

St.-Ulrich-Kirche Rietenau. Foto: Alex Becher

Dass eine komplett neue Gemeinde gebildet wurde, war eine bewusste Entscheidung. „Keiner soll sich fühlen, als würde er übernommen werden“, betont Kaschler mit Blick auf die kleineren Gemeinden. Im Kirchengemeinderat sei man sich sehr einig gewesen, wie allerdings die Gemeindemitglieder reagieren, das werde sich erst noch zeigen. „Auf dem Papier sieht es natürlich so aus, als würden wir Gottesdienste reduzieren“, sagt Scheld. Insgesamt würden sich aber viel mehr Möglichkeiten bieten, die Gemeinde mit Leben zu füllen. Schon jetzt funktioniere die gemeinsame Jugendarbeit sehr gut. Wie es mit Kirchen- oder Posaunenchören weitergeht, das wollen sie auf sich zukommen lassen. „Was jetzt funktioniert kann, muss sich aber nicht ändern“, sagt Kaschler. Angesichts fehlenden Nachwuchs könnten sich die Pfarrer aber gut vorstellen, dass die Posaunenchöre zum Beispiel in Zukunft vermehrt zusammen spielen. Die beiden Pfarrer versprechen sich einige weitere Vorteile von der Fusion. Zum einen können sie sich gewisse Bereiche aufteilen, sodass sich jeder um Dinge kümmern kann, die ihm besonders liegen, erklärt Philipp Scheld. Es müsse sich nicht mehr jeder um alles kümmern, das spare viel Zeit. Zunächst allerdings gibt es weiterhin sehr viel Arbeit für die beiden Pfarrer. Denn die Umstrukturierung, das Einarbeiten in neue Tätigkeitsbereiche und einfach das Begleiten dieses Zusammenwachsens koste viel Zeit.

Auch Backnang wird sich langfristig auf den Weg zu einer Fusion machen

Weitere Themen

Die Vorteile betont auch Dekan Rainer Köpf, zum Beispiel wenn aus sehr kleinen Kirchenchören ein großer Chor wird. Zugleich stimmt aber auch er zu, dass eine Fusion auch mit Problemen verbunden sei. „Jeder identifiziert sich ja mit seiner Kirche vor Ort. Da ist eine Veränderung schon eine Herausforderung und da gibt es Reibung. Aber aus der Reibungswärme kann ja auch Gemeindewärme entstehen.“ Immer mehr Kirchengemeinden befassen sich mit Zusammenschlüssen. So wolle man die Kirche bereit für die Zukunft machen. Auch in Backnang werde man das Thema langfristig angehen. „Wir haben uns da auch auf den Weg gemacht. Aber der Prozess wird über viele Jahre hinweg gehen.“

Nicolauskirche Kleinaspach. Foto: privat

Nicolauskirche Kleinaspach. Foto: privat

Auch die Aspacher Pfarrer betonen, dass das „Zusammenwachsen“ sicher noch seine Zeit brauchen wird. Die wollen sie der Gemeinde auch geben, bevor sie weitere große Themen angehen wie zum Beispiel die Zukunft der zehn Kirchengebäude in der Gemeinde. Denn die Unterhaltung und Instandhaltung dieser werde man auf Dauer sicher nicht stemmen können. Das Problem werde man aber erst in der Zukunft angehen. „Nun freuen wir uns auf die Kirchenfusion und hoffen, dass ganz Aspach mitgeht“, sagt Scheld.

Starterfest Am Sonntag, 21. Januar, gibt es in Aspach ein Starterfest der neuen evangelischen Kirchengemeinde. Los geht es mit einem Gottesdienst um 10 Uhr in der Julianakirche in Großaspach. Ab 11.30 Uhr gibt es in der Gemeindehalle Sektempfang, anschließend folgen ein gemeinsames Mittagessen und ein buntes Programm. Dazu gehört der Markt der Möglichkeiten.
Fusion der Kirchengemeinden Sulzbach und Spiegelberg

Fusion Im Januar 2019 haben sich die zwei Gemeinden offiziell zusammengetan. „Wir können sehr zufrieden sein“, sagt Pfarrer Leonard Nagel. Er ist zwar erst seit etwa einem Jahr in der Gemeinde und war bei der Fusion selbst nicht dabei, habe aber gemerkt, dass die Zusammenarbeit in wesentlichen Punkten sehr gut funktioniert. „Insgesamt ist es gelungen, dass man sich als eine Gemeinde sieht.“

Herausforderungen Trotzdem gebe es natürlich immer noch Herausforderungen. Zum Beispiel sei es nicht immer einfach für die Mitglieder im Kirchengemeinderat, auch den jeweils anderen Ort mit zu bedenken. „Viele wollen sich für ihren Ort einsetzen. Da ist dann eine gewisse Balance wichtig.“

Balance Gerade bei besonderen Veranstaltungen müsse man sich entscheiden, wo diese letztlich stattfinden sollen. Dabei sei es wichtig, gerecht zu entscheiden. Als Beispiel nennt er das Gemeindefest, dass dann eben in einem Jahr in Sulzbach an der Murr und in einem anderen in Spiegelberg stattfindet. Auch bei den Impulsgottesdiensten, bei denen auch mal ein Vortrag gehalten wird, müsse man sich für einen Ort entscheiden.

Mehrwert Das sei auch ein Beispiel für den Erfolg der Fusion. „Die Impulsgottesdienste waren eine Sache aus Sulzbach. Mittlerweile finden sie regelmäßig auch in Spiegelberg statt.“ Andererseits seien an Ostern viele Sulzbacher zum Gottesdienst auf dem Juxkopf gekommen. Weitere Vorteile der Fusion: „Man kann die Kräfte bündeln.“ Zum Beispiel bei der Jugendarbeit, oder bei besonderen Projekten wie der Aufführung eines Musicals.“

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Erstellt:
19. Januar 2024, 06:00 Uhr

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