Kommentar: Irans Gegner schöpfen Hoffnung
Kommentar: Irans Gegner schöpfen Hoffnung
Von Thomas Seibert
Teheran - Kaum hat das iranische Regime sein Katastrophenjahr 2025 überstanden, fängt das neue Jahr für den Mullah-Staat mit dem nächsten Desaster an. Landesweite Unruhen, so heftig wie seit vier Jahren nicht mehr, greifen um sich. Wie damals die Frauen gehen jetzt die Betreiber von kleinen und mittleren Geschäften auf die Straße, die wegen des Währungsverfalls um ihre Existenz fürchten. Schon hoffen Irans Feinde auf den Sturz der Islamischen Republik.
Regimechef Ali Chamenei stand in den drei Jahrzehnten seiner Herrschaft schon häufiger unter dem Druck der Straße. Doch bisher konnte er alle Aufstände niederknüppeln lassen. Auch die neuen Proteste könnten enden wie die Großdemonstrationen gegen die Kopftuchpflicht vor vier Jahren: mit einem angezählten Regime, das wankt, sich aber verbissen auf den Beinen hält.
Selbst wenn Chamenei stürzen sollte, wäre das kein automatischer Sieg für Israel und die USA. Nicht die Errichtung eines demokratischen Systems wäre dann am wahrscheinlichsten, sondern eine Militärdiktatur der Revolutionsgarde – einer aggressiv anti-westlichen Elitetruppe, die über tausende Raketen verfügt. Kaum jemand in der Region würde der Herrschaft des schiitischen Klerus im Iran nachweinen, aber Politiker und Salon-Strategen, die das Ende der Islamischen Republik herbeisehnen, sollten vorsichtig mit ihren Wünschen sein: Sie könnten in Erfüllung gehen.
