Kurzfristige Änderung im Backnanger Straßenfest-Team

Zwei Monate vor Beginn des Straßenfests verlässt die Leiterin des Festivalbüros die Stadt. Damit ist das Organisationsteam gerade in der heißen Planungsphase deutlich unterbesetzt. In die Bresche springt der frühere Organisator Sanoj Abraham mit seinem neuen Unternehmen.

Im Juni findet das Straßenfest zum 52. Mal statt. Gerade jetzt geht es rund bei der Organisation. Doch nun musste das Organisationsteam kurzfristig neu besetzt werden. Archivfotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Im Juni findet das Straßenfest zum 52. Mal statt. Gerade jetzt geht es rund bei der Organisation. Doch nun musste das Organisationsteam kurzfristig neu besetzt werden. Archivfotos: Alexander Becher

Von Kristin Doberer

Backnang. Noch 66 Tage sind es, bis der Startschuss für das Backnanger Straßenfest fällt. Knapp über zwei Monate. Für ein Fest dieser Größe geht es also gerade jetzt in die heiße Phase der Planung. Welcher Stand bekommt welchen Platz? Wer spielt auf welcher Bühne? Und welche kleinen Aktionen wie zum Beispiel das Entenrennen finden zu welchem Zeitpunkt während dieser vier Tage statt? Doch ausgerechnet in dieser so wichtigen Planungsphase steht das Festivalbüro der Stadt Backnang nun deutlich unterbesetzt da. Nachdem Marcel Österle nach nur einem Jahr das Organisationsteam verlassen hatte, ist nun auch Milena Maier nicht mehr im Festivalteam. Erst im November hatte sie die Leitung des Teams übernommen (wir berichteten). Man habe sich einvernehmlich, auch auf ihren Wunsch hin, getrennt, sagt Johannes Ellrott, Leiter des Kultur- und Sportamts. „Das Straßenfest ist einfach unglaublich komplex und vielschichtig“, sagt Ellrott. Und gerade nach den beiden sehr erfolgreichen Straßenfesten der vergangenen Jahre bestehe der Druck, die Qualität aufrechtzuerhalten. Das unterstreicht auch Oberbürgermeister Maximilian Friedrich: „Die Erwartungshaltung ist hoch“, nicht nur, weil sich die Backnanger sehr mit dem Fest identifizieren, sondern auch angesichts der Außenwirkung für die Stadt.

Ein externes Unternehmen übernimmt einen Teil der Organisation

Damit fehlten dem Festivalbüro plötzlich zwei Vollzeitstellen. Lediglich eine Auszubildende, eine Werkstudentin und eine FSJ-lerin blieben übrig. Aber keine Sorge: Abgesagt wird das Straßenfest deshalb noch lange nicht. Stattdessen gibt es nun eine Umorganisation bei der Stadt und viel Hilfe von außen. So übernimmt Laura Reich, Sachgebietsleiterin im Kulturamt, nun die Leitung des Festivalbüros. „Eigentlich habe ich ja fünf Stellen unter mir. Aber nun muss ich 100 Prozent in die Leitung des Festivalbüros stecken“, sagt Reich. Dafür seien Aufgaben auf Kollegen verteilt, Urlaube verschoben und Wochenenden freigeschaufelt worden, von denen sicher das eine oder andere durchgearbeitet werden müsse. Reich war bei vergangenen Straßenfesten zwar bereits als Sachgebietsleiterin an der Organisation beteiligt, als Projektleiterin allerdings müsse sie sich nun „in einer ganz anderen Tiefe einarbeiten“.

Sanoj Abraham (rechts) ist zurück im Organisationsteam. Bereits zweimal hat er das Straßenfest nach dem Tod von Jürgen M. Häfner als Leiter des Festivalbüros organisiert.

© Alexander Becher

Sanoj Abraham (rechts) ist zurück im Organisationsteam. Bereits zweimal hat er das Straßenfest nach dem Tod von Jürgen M. Häfner als Leiter des Festivalbüros organisiert.

Allein muss sie das große Fest aber nicht auf die Beine stellen, Unterstützung gibt es von einem externen Unternehmen – und zugleich von einem bekannten Gesicht. Erst seit Januar gibt es das Eventmanagementunternehmen United Events, hinter dem Philipp Schulz und Sanoj Abraham stehen. Letzterer hatte in den vergangenen beiden Jahren die Leitung des Festivalbüros inne, hat sich allerdings von der Stadt Backnang getrennt, um sich mit United Events selbstständig zu machen (wir berichteten). Bereits nach Österles Weggang wurde dem Unternehmen ein Teil der Organisation, unter anderem die Standplanung, übertragen, um die personellen Engpässe im Festivalbüro zu überbrücken. Nun allerdings steigen die beiden federführend mit ein. „Uns war klar, dass wir das so kurzfristig nur an jemanden abgeben können, der sich vollumfänglich auskennt“, freut sich Ellrott über die Lösung.

Das neue Dreierteam blickt nun zuversichtlich auf das Fest

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Ganz selbstverständlich war das für Schulz und Abraham nicht, auch wenn beide als Backnanger sehr am Straßenfest hängen. „Wir haben uns erst im Januar gegründet und neue Projekte übernommen. Aber gerade jetzt, wenn es in die heiße Phase geht, hat man eigentlich keine Zeit mehr für etwas anderes. Da muss man den Fokus auf das Straßenfest legen“, sagt Sanoj Abraham. Zugleich „wollten wir das Straßenfest in der Notsituation auch nicht im Stich lassen“. Es wurde einiges umorganisiert, Anfragen potenzieller Kunden wurden abgesagt. „Wir gehen das jetzt mit vollem Elan an“, ergänzt Philipp Schulz. Er selbst war in den vergangenen Jahren bereits als Standbetreiber auf dem Fest.

In der vergangenen Woche habe das neue Team um United Events und Laura Reich dann erst mal aufarbeiten müssen, was bereits organisiert ist und was nun dringend erledigt werden sollte. Zahlreiche Gespräche mit ganz unterschiedlichen Gewerken und Menschen nehmen viel Zeit in Anspruch. „Einige Entscheidungen müssen jetzt sehr schnell getroffen werden“, sagt Abraham. Vor allem die Standplanung muss fertiggestellt und kommuniziert werden, ebenso wie der Ablauf der vielen Einzelprogrammpunkte während des Fests. Besonders auch das Sicherheitskonzept erfordere in diesem Jahr angesichts der EM eine andere Herangehensweise. Außerdem wolle man nicht nur die Qualität der vergangenen Jahre aufrechterhalten, sondern auch Kritikpunkte angehen – trotz des engen Zeitrahmens. So soll zum Beispiel die „dunkle Gasse“ zwischen DJ-Area und Jugendmeile beleuchtet werden.

Noch vor einigen Wochen sah Kulturamtsleiter Johannes Ellrott die regelmäßigen Wechsel im Festivalteam recht gelassen. Nun allerdings, da ein so wichtiger Wechsel nur wenige Wochen vor dem Straßenfest stattfindet, ist er doch nicht mehr so entspannt. Besonders an dem Wochenende, als United Events überlegen musste, ob die Aufgabe so kurzfristig gestemmt werden könne, sei die Anspannung dann doch recht groß gewesen. Nun ist sich Laura Reich aber sicher: „Die Gäste werden am Fest nichts davon merken; am Umfang wird sich nichts ändern.“ Und auch Abraham betont: „Uns ist es ein Anliegen, dass das Fest in der Tradition und Qualität weiterläuft.“

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Erstellt:
16. April 2024, 06:00 Uhr

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