Schneechaos in Backnang und Umgebung
Auf den Straßen und bei der Bahn geht so gut wie nichts mehr.
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Auf den Backnanger Straßen sorgt der Schnee für erschwerte Verhältnisse. Foto: Alexander Becher
Rems-Murr. Seit Sonntagabend hat es in der Nacht ununterbrochen geschneit und Straßen, Wege und die Landschaft mit einer dicken Schneeschicht bedeckt. Am Montagmorgen erwarteten vor allem die Frühaufsteher ungewöhnliche Schneemengen, die den Weg zur Arbeit oder Schule erschwerten. Wer konnte, arbeitete nach Möglichkeit zu Hause, viele Schulen gaben ihren Schülern „schneefrei“, denn Züge und Busse kämpften ebenfalls mit den Schneebergen.
Schneechaos am Montag in Backnang und Umgebung
Der Winter ist zurück und kommt mit heftigem Schneefall. In Backnang und Umgebung sind die Räumdienste im Dauereinsatz und versuchen, den Schneebergen Herr zu werden.
Die Wetterlage Bei der Station des Deutschen Wetterdiensts in Großerlach-Mannenweiler lag der Schnee am Montagmorgen rund 19 Zentimeter hoch. Diese Menge komme im Januar immer wieder vereinzelt vor, berichtet Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst. In den Jahren 2021 und 2018 lag der Schnee an einzelnen Tagen im Januar 27 Zentimeter hoch, auch 2015 und 2016 sind über 20 Zentimeter Schnee gefallen. Höher lag der Schnee nur in den 2010er-Jahren.
Unfälle auf den Straßen In den Morgenstunden ist der Verkehr in Backnang und Umgebung nahezu überall zum Erliegen gekommen. Wie die Polizei mitteilt, ist es im Kreis zwischen Sonntagabend und Montagmorgen zu 44 Verkehrsunfällen mit einem Gesamtschaden von rund 300000 Euro gekommen. Dabei wurde eine Person leicht verletzt. Zehn weitere Unfälle folgten laut Polizei im Lauf des Montagvormittags, dabei sind in der Regel Blechschäden entstanden. Vor allem in den frühen Morgenstunden warnte die Polizei vor starken witterungsbedingten Einschränkungen und Behinderungen im Straßenverkehr.
Doch auch im Lauf des Tages wurde es nur unwesentlich ruhiger. Bis zum Nachmittag ereigneten sich weitere sieben Verkehrsunfälle im Kreis. Deren Schäden werden auf 55000 Euro geschätzt.
Ausfälle und Verzögerungen beim ÖPNV Die Deutsche Bahn meldete Zugausfälle und Verspätungen auf allen Linien, sowohl bei der S-Bahn als auch im Regionalverkehr. Es kam zu kurzfristigen Fahrplanänderungen. Alle S-Bahn-Linien, darunter auch S3, verkehrten bis zur Mittagszeit lediglich im 30-Minuten-Takt. Der Busverkehr kam morgens verspätet in Fahrt. Mark Hogenmüller, Geschäftsführer der Omnibus-Verkehr Ruoff GmbH (OVR), die viele Buslinien in Backnang und Waiblingen betreibt, berichtet: „Wir konnten erst ab 7.30 Uhr die Straßen sicher befahren.“ Busverspätungen wegen verstopfter Straßen standen bis zum Mittag auf der Tagesordnung.
Gar nicht geräumt seien die Wege am Gleis und den zugehörigen Treppen am Murrhardter Bahnhof gegen 6.50 Uhr gewesen, berichtete eine Leserin. Zum Bahnhof sei sie dank der Bauhofmitarbeiter problemlos gekommen. Für die Bereiche direkt an den Gleisen ist laut Bürgermeister Armin Mößner die Bahn zuständig und die habe Dienstleister mit dem Räumen beauftragt. „Aber es geht ihnen wahrscheinlich wie uns und sie können nicht überall gleichzeitig sein“, äußerte Mößner etwas Verständnis.
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Fleißige Mitarbeiter des Bauhofs im Einsatz. Foto: Alexander Becher
Räumdienste Die Mitarbeiter des Baubetriebshofs der Stadt Backnang waren am Sonntagabend bis 22 Uhr im Einsatz, am Montagmorgen ging es ab 3 Uhr in der Früh direkt weiter. „Wir kämpfen uns durch“, sagte Bauhofleiter Rafael Bidlingmaier und berichtete, dass gegen Mittag die Hauptverkehrsstraßen in Backnang und den Stadtteilen geräumt waren. Weiter ging es dann mit Räumung und Streuung der Nebenstraßen. „Wir haben eine Prioritätenliste und die arbeiten wir ab“, berichtete Bidlingmaier. Aber: „So viel Schnee in einer Nacht ist schon grenzwertig.“ Das Telefon habe am Montag nicht mehr stillgestanden: „Wir tun, was wir können. Dass so eine große Stadt wie Backnang schon in den Morgenstunden überall geräumt ist, das geht leider nicht.“ Mit acht Großfahrzeugen, sechs Kleintraktoren und fünf Kolonnen zum Handräumen und -streuen war der Bauhof mit dem gesamten verfügbaren Fuhrpark unterwegs. Die Räumung könne sich noch über den Dienstag ziehen; er hoffe, dass der Schnee nicht in den Nächten gefriert, so Bidlingmaier. Immerhin hatte er Hilfe von ganz oben: Oberbürgermeister Maximilian Friedrich begleitete ab 4 Uhr mit seinem Ersten Bürgermeister Stefan Setzer die Bauhofmitarbeiter und lobte ihren Einsatz.
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Klinik Winnenden In der Notaufnahme im Rems-Murr-Klinikum Winnenden zeigten sich laut Pressesprecherin Christine Felsinger gestern Vormittag elf Patienten wegen des Schnees verunfallt, sei es bei Verkehrsunfällen, bei Stürzen zu Fuß oder auch beim Schneeschippen. So behandelte das Team die typischen Zerrungen, Brüche und verrenkten oder ausgekugelten Gelenke. Auch für die Mitarbeitenden war es eine Herausforderung, sicher und rechtzeitig zur Arbeit zu kommen, berichtet Felsinger. „Manche haben aus eigener Initiative bei Kollegen übernachtet, um pünktlich im Dienst zu sein“, so die Pressesprecherin über den großen Teamgeist in der Klinik.
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In Großerlach zeigt sich die schöne Seite des Schnees: Die Kinder können Schlitten fahren. Foto: Alexander Becher
Schulen und Kindergärten zu Das Durchkommen zur Schule stellte für viele Schüler und ihre Eltern eine Geduldsprobe dar. Es gibt keine klaren Vorgaben, wann die Schulen geschlossen bleiben, berichtet Sabine Hagenmüller-Gehring, Leiterin des staatlichen Schulamts in Backnang. „Aber wenn die Eltern sagen, dass sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken können, gelten diese als entschuldigt“, so die Leiterin des staatlichen Schulamts. Da viele Busse in den Morgenstunden Schwierigkeiten hatten, ans Ziel zu gelangen, gab es an einigen Schulen keinen verpflichtenden Unterricht. Darunter waren etwa die Conrad-Weiser-Schule in Aspach, die Backnanger Tausschule und das Tausgymnasium. Auch einige Kitas im Backnanger Raum öffneten verspätet ihre Pforten, andere schlossen früher und wieder andere boten nur eine Notbetreuung für berufstätige Eltern an.
Zeitungszusteller Trotz Chaos haben viele Zeitungszusteller beschwerliche Umwege auf sich genommen, um den Lesern die Zeitung auch am gestrigen Morgen rechtzeitig zum Frühstück zuzustellen. Die honorierten das: Viel Dankbarkeit ernteten etwa die Zusteller in Cottenweiler, die von einem Leser per E-Mail ausdrücklich für ihre Zuverlässigkeit gelobt wurden.
Wettervorhersage Das Tauwetter hat bereits am Montag eingesetzt, nachts können die Temperaturen allerdings unter den Gefrierpunkt fallen, berichtet Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst. Spätestens heute Abend kommt zudem voraussichtlich die nächste Wetterfront mit Regen. Die Schneedecke werde auch darum eher abnehmen, vermutet Pfaffenzeller. Am Mittwoch könnte es zu Glatteis kommen, allerdings nicht in dem Ausmaß wie am Montag. Gegen Ende der Woche, am Donnerstag oder Freitag, könnte in höheren Lagen Schnee fallen, in tieferen Lagen könnte es zu Schneeregen kommen.






























