Weissacher Tälesbräu schließt Ende März

Sowohl die Brauerei als auch die Gaststätte werden den Betrieb zum 29. März einstellen. Bereits Anfang Februar hatte das Unternehmen Weissacher Tälesbräu das Insolvenzverfahren begonnen. Wie es mit dem Gebäude und dem Biergarten weitergeht, ist noch unklar.

Im Erdgeschoss wird das Bier gebraut, im Obergeschoss kann man es im Braustüble „Alte Schmiede“ dann auch probieren – aus dem Fass natürlich. Allerdings nur noch bis Ende März, denn die Betreiberfamilie hat Insolenz angemeldet. Archivfoto: Jörg Fiedler

© Jörg Fiedler

Im Erdgeschoss wird das Bier gebraut, im Obergeschoss kann man es im Braustüble „Alte Schmiede“ dann auch probieren – aus dem Fass natürlich. Allerdings nur noch bis Ende März, denn die Betreiberfamilie hat Insolenz angemeldet. Archivfoto: Jörg Fiedler

Von Kristin Doberer

Weissach im Tal. „Ade, ’s war schee!“, so verabschiedet sich die kleine Brauerei Weissacher Tälesbräu auf Social Media von ihren Unterstützern. Ganz typisch für die Craftbiermanufaktur – auf Schwäbisch natürlich – erfolgt auch die Mitteilung zur Schließung der Brauerei und der Gastronomie „Alte Schmiede“. Nur noch bis zum 29. März werden Gaststätte und Brauerei geöffnet haben.

Zu den Gründen für die Schließung möchte sich die Betreiberfamilie um Andreas und Günter Huber nicht äußern. Da allerdings Anfang Februar die Insolvenz beantragt wurde, ist von wirtschaftlichen Gründen auszugehen.

Für viele kommt die Schließung überraschend. Schließlich baute das Familienunternehmen erst im Jahr 2020 das Flaschengeschäft aus, indem es in eine moderne Abfüllanlage und eine Flaschenreinigungsanlage investiert hatte. Damals wollte man die Produktion ausbauen, um auf die gestiegene Nachfrage zu reagieren. Denn nach den ersten Jahren, in denen das Bier nur vor Ort im Direktverkauf und beim örtlichen Getränkehändler erhältlich war, wurde es später auch in verschiedenen Supermärkten und Getränkemärkten in der Region vertrieben. Außerdem übernahm Jessica Huber erst im Herbst 2023 den Vorsitz des neu gegründeten Weissacher Gewerbevereins.

Ein bedauernswerter Verlust für die Gemeinde Weissach im Tal

Weissachs Bürgermeister Daniel Bogner bedauert die Schließung der Brauerei und der Gastronomie „persönlich und aus Sicht der Gemeinde“, wie er sagt. Zum einen sei es für eine Kommune immer sehr schade, wenn ein Gastronomiebetrieb wegfällt. „Auch weil dort die typisch deutsche Küche angeboten wird, die wir dann so nicht mehr im Ort haben“, sagt der Bürgermeister. Besonders aber die Kombination mit der eigenen Brauerei sei ein Alleinstellungsmerkmal gewesen.

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„Auch persönlich ist das sehr schade. Weil die ‚Alte Schmiede‘ ein wirklich gutes Beispiel dafür war, wie die Reaktivierung eines alten Gebäudes funktionieren kann.“ Die alte Schlosserei der ehemaligen Tonwarenfabrik Rombold sei so renoviert worden, dass der Charme des Gebäudes erhalten wurde, sagt Bogner. Doch da es sich dabei um Privateigentum handle, seien die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde beschränkt.

Biergarten-Fläche gehört der Gemeinde

Anders sieht es allerdings beim bisherigen Biergarten aus, der im Sommer eine Außengastronomie ermöglichte. Die Fläche, auf der sich der Biergarten befindet, gehört nämlich der Gemeinde. Das Weissacher Tälesbräu hatte hier lediglich einen Pachtvertrag. Wie es damit nach der Schließung der Gastronomie weitergeht, das wisse Bogner bisher auch noch nicht. „Wir müssen zunächst im Austausch mit den Betreibern sehen, wie es weitergeht und wie der Biergarten vielleicht in Zukunft weiter genutzt werden kann“, sagt der Bürgermeister auf Nachfrage.

„Das ist ein großer Verlust für die Gemeinde“, sagt auch Jürgen Hestler vom Heimatverein Weissacher Tal. Schließlich war bei der Bürgerbeteiligung zur Gestaltung des ehemaligen Rombold-Areals vor einigen Jahren genau dieser Wunsch nach einem Restaurant mit Biergarten erfüllt worden. Und das, wie Hestler betont, in einer Art und Weise, die mit der Sanierung und Umnutzung der „Alten Schmiede“ ein Stück Heimatgeschichte erhalten hat. „Das ist zu einer Kultureinrichtung und einem Begegnungsort geworden“, so Hestler.

Weissacher Tälesbräu

Gründung 2016 wurde die Weissacher Tälesbräu GmbH von Andreas und Günter Huber gegründet. Günter Huber braute zunächst als Hobby zu Hause sein eigenes Bier – und das bereits seit den 90er-Jahren. Sohn Andreas Huber machte die Braukunst dann zum Beruf und studierte an der TU München Brauwesen und Getränketechnologie. In den Anfangsjahren wurde das Bier noch in den heimischen vier Wänden gebraut, bis 2018 der Umzug in die Brauerei auf dem ehemaligen Rombold-Areal stattfinden konnte.

Biersorten Die Sorten reichen vom Landbier „Schnätterle“ über das „Weissacher Woiza“ bis hin zum alkoholfreien „Bobbes“. Auch wurden Biere für besondere Anlässe oder Jahreszeiten gebraut. Selbst einen eigenen Bierbrand sowie einen Gin gibt es.

Braustüble Neben der Brauerei wurde ebenfalls 2018 das Braustüble „Alte Schmiede“ eröffnet, in dem neben dem eigenen Bier auch typisch deutsche und schwäbische Küche angeboten wurde. 2019 kam dann der Biergarten dazu.

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Erstellt:
14. März 2024, 06:00 Uhr

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