Metropolis Acoustic Duo: Gitarrenriffe wie Gewitterwolken

Bands von hier Seit 1995 musizieren Michael Schad und Frank Steffen Mueller zusammen als Metropolis Acoustic Duo. In ihrer Hochphase spielten sie alle zwei Wochen in der Backnanger Kneipe Casa Carmen. Die gemeinsamen Auftritte sind weniger geworden, doch es gibt sie noch.

Ihnen kann auf der Gitarre so schnell niemand etwas vormachen: Michael Schad (links) und Frank Steffen Mueller. Foto: Stefanie de Buhr

Ihnen kann auf der Gitarre so schnell niemand etwas vormachen: Michael Schad (links) und Frank Steffen Mueller. Foto: Stefanie de Buhr

Von Melanie Maier

Backnang. Das Metropolis Acoustic Duo schlicht als mediterrane Gitarrencombo zu bezeichnen, würde der Musik, die Michael Schad und Frank Steffen Mueller aus ihren Instrumenten herauszaubern, nicht gerecht werden. Ihr Spiel gleicht einer Berg- und Talfahrt, bei der Töne und Emotionen Achterbahn fahren. Gitarrenriffe entladen sich wie Gewitterwolken, dynamische Soli wechseln sich mit zartem Zupfen ab. Immer wieder wird die Gitarre gar zum perkussiven Klangkörper, wenn Frank Steffen Mueller auf den Korpus klopft – wer es kennt, fühlt sich schnell an das mexikanische Gitarrenduo Rodrigo y Gabriela erinnert.

Seit 1995 treten Schad und Mueller als Metropolis Acoustic Duo zusammen auf. Doch ihre gemeinsame Geschichte reicht viel weiter zurück. 1981 lernten sich die beiden Backnanger im Jugendhaus kennen. „So groß ist die Stadt nicht“, kommentiert der heute 56-jährige Michael Schad. Wer in den 1980ern als Jugendlicher in Backnang musikaffin war, fand im Jugendhaus mit Gleichgesinnten zusammen. Schad und Mueller (heute 61 Jahre alt) hatten einen ähnlichen Musikgeschmack, beide mochten Progressive Rock (Progrock) und Jazz. Es dauerte nicht lange, bis sie zusammen musizierten, komponierten, Musik aufnahmen. „Daraus ist später das Metropolis Acoustic Duo entstanden“, erzählt Michael Schad. Der Bandname geht auf einen Song der US-amerikanischen Progressive-Metal-Band Dream Theater zurück, welche die Musiker gleichermaßen stark beeinflusste.

Auf keine Musikrichtung festgelegt

Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte das Duo bei einer Vernissage der Musikschule Waiblingen. Der Backnanger Norbert Rettenmaier, der als Saxofonist eingeplant war, war kurzfristig ausgefallen. Michael Schad und Frank Steffen Mueller füllten die Lücke. Und zwar so gut, dass aus dem einen Abend bald mehr wurde. „Auch der nächste Auftritt, im Rathaus von Rommelshausen, war ein überwältigender Erfolg“, erinnert sich Frank Steffen Mueller.

Blues, Flamenco, Latin, Rock und Jazz formten den Stil des Metropolis Acoustic Duos. „Wir haben uns nie auf eine Musikrichtung festgelegt“, sagt Michael Schad. „Wir haben eigentlich alles gespielt bis auf Volksmusik und Schlager“, fügt Frank Steffen Mueller hinzu. „Unser Leitmotiv war immer die Leidenschaft für die Musik“, betont er. Der Song „Passion“ von den Gipsy Kings ist denn auch ein Teil ihres Repertoires, doch auch eigene Lieder wie das von Michael Schad komponierte „Mirrors“ (siehe QR-Code) gehören dazu.

2019 gibt das Duo ein Benefizkonzert im Backnanger Totenkirchle. Archivfoto: Alexander Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

2019 gibt das Duo ein Benefizkonzert im Backnanger Totenkirchle. Archivfoto: Alexander Becher

Ihre Passion fanden beide Musiker schon früh. Mit 13 bekam Frank Steffen Mueller eine Westerngitarre zu Weihnachten geschenkt. Autodidaktisch brachte er sich das Spielen bei. „Ich liebte Led Zeppelin, Yes, Genesis und Jimi Hendrix – daheim habe ich mich so benommen, als wäre ich er.“ Er kaufte sich eine weiße Hohner Stratocaster – eine E-Gitarre wie auch Hendrix eine hatte. Und übte oft bis in die Nacht. „Zum Teil war es so, dass die Nachbarn Sturm geklingelt haben oder plötzlich die Polizei vor der Tür stand“, sagt Frank Steffen Mueller und lacht. Erst später lernte er Noten und nahm Gitarrenunterricht. Drei Wochen, nachdem er seine dreijährige Ausbildung zum Drucker beendet hatte, merkte er, dass das nicht der Beruf war, den er langfristig machen wollte. Stattdessen folgte er seiner Leidenschaft. An der Amsterdam School of the Arts studierte er Gitarre und spielte in verschiedenen Bands, Big Bands und Orchestern. Oft übte er bis zu zwölf Stunden täglich. Mit dem Frank Mueller Quartet trat er europaweit auf Jazzfestivals auf. 1992, nach dem Studium, fing er an der Musikschule Unteres Remstal an. Dort unterrichtet er bis heute E-Gitarre, Akustikgitarre, Ukulele und Band.

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Michael Schad fing mit zwölf Jahren an, Gitarre zu spielen. Seine Vorbilder waren David Gilmore (Pink Floyd), Eric Clapton und Santana. Schad spielte erst Konzertgitarre, dann E-Gitarre. Geprägt hat ihn sein Gitarrenlehrer Ralph Dowedeit. „Er hat mir immer geraten, ich selbst zu sein“, erinnert er sich. Nach dem Zivildienst schrieb er sich an der Universität Stuttgart für Geografie, Politikwissenschaften und Anglistik ein, doch auch er korrigierte noch mal den Kurs. Nach der Zwischenprüfung studierte er Musik- und Politikwissenschaften an der Uni Tübingen. Schon während des Studiums gab er Gitarrenunterricht an verschiedenen Musikschulen – und zwar kontinuierlich mehr. Heute arbeitet er an der Musik- und Kunstschule Winnenden. Auch Michael Schad kann auf eine lange Bandhistorie zurückblicken. Er spielte unter anderem bei „Marnie“ und „Barbed Wire“. Mit den „Tiny Wings“ ist er nach wie vor unterwegs.

Rund 40 gemeinsame Auftritte pro Jahr

Während das Metropolis Acoustic Duo von 1995 bis 2000 vor allem Einzelkonzerte gab, traten Schad und Mueller von 2000 an etwa alle zwei Wochen in der Backnanger Kneipe Casa Carmen auf. Weitere Anfragen kamen dazu. Während ihrer gemeinsamen Hochphase spielten die Musiker rund 40-mal im Jahr, etwa bei Messen, in Kirchen und bei Firmenveranstaltungen. „Wir waren nicht nur technisch sehr gut, sondern auch emotional“, sagt Frank Steffen Mueller. „Die Leute hatten Gänsehaut, wenn wir gespielt haben.“ Dass die Auftrittsfrequenz irgendwann nachließ, hing mit drei Dingen zusammen: Der Programmverantwortliche in der Casa Carmen wechselte, die Familie stand bei beiden mehr im Mittelpunkt, zudem fing Michael Schad 2005 als Gitarrist bei der schwäbischen Folk-Rock-Band Wendrsonn an. Für andere Projekte blieb ihm dadurch kaum noch Zeit. „Es hat mir sauleid getan, zu Frank zu sagen: Ich kann nicht“, blickt er auf die Zeit zurück.

Für ihn sei dadurch natürlich viel weggebrochen, sagt Frank Steffen Mueller. „Ich bin richtig in ein Loch gefallen. Zwei Jahre lang habe ich privat musikalisch gar nichts mehr gemacht.“ Er sei kurz davor gewesen, ganz mit der Musik aufzuhören. Doch dann machte er im Jahr 2011 aus Jux an einem Gitarrenwettbewerb auf Youtube mit – und kam unter rund 5.000 Gitarristen aus aller Welt prompt unter die ersten zehn. Das wiederholte sich mehrfach, auch einige Erstplatzierungen gab es. Bei den Wettbewerben habe er eine unheimliche Bestätigung für sein Spiel erfahren, sagt Mueller. Auch beruflich profitierte er: Heute arbeitet er mit vielen internationalen Musikern.

Im Juni 2023 erlitt er jedoch einen Herzinfarkt. „Ich wäre fast gestorben“, berichtet er. Es sollte nicht der einzige Schicksalsschlag bleiben. Als er zur Feier seines Überlebens eine Grillparty gab, trennte er sich im Grill den Mittelfinger ab – fatal für einen professionellen Gitarristen. „Ich hatte wahnsinniges Glück, dass zufällig eine Handchirurgin in der Notaufnahme war“, so Mueller. Der Finger konnte wieder angenäht werden, er kann wieder Gitarre spielen – zum Glück. Weitere Konzerte des Metropolis Acoustic Duos können also folgen.

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Erstellt:
16. Februar 2024, 11:30 Uhr

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